COVID19: Eine Herausforderung aber auch eine bereichernde Erfahrung für die Klinik

Wie war die Aktivität in der Berner Montana-Klinik während der COVID19-Periode? Und was waren die Auswirkungen des Virus auf den täglichen Therapieprogrammen, die den Patienten in dieser Zeit angeboten wurden? Obwohl das Virus noch nicht vollständig ausgerottet ist, erfahren Sie in diesem Artikel, welche Massnahmen unsere Klinik ergriffen hat, um die Patienten vor diesem Virus zu schützen und gleichzeitig eine kontinuierliche Versorgung zu gewährleisten. Auch zu erwähnen sind welche positiven Lehren daraus gezogen wurden.

Insgesamt ist das Management der COVID-19 Pandemie in der Berner Klinik erfreulich gut verlaufen. Neben dem glücklichen Umstand, dass kein Patient in der Klinik positiv getestet wurde und kein Fall einer Krankheitsübertragung in der Klinik nachgewiesen werden konnte, kann insgesamt festgestellt werden, dass die notwendigen administrativen, medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Massnahmen entsprechend den Vorgaben vom Bundesamt für Gesundheit, Swissnoso, Kantonsarztamt Wallis und Bern schnell und erfolgreich umgesetzt wurden.

Darüber hinaus gab es eine schnelle und umfassende Dokumentation der Massnahmen sowie eine an die jeweilige Situation angepasste Kommunikation in schriftlicher und elektronischer Form. Hierdurch konnten Ängste und Unzufriedenheit sowohl bei den Patienten wie auch bei den Mitarbeitern weitgehend verhindert werden.

Trotz politischer Festlegung eines praktisch kompletten Aufnahmestopps blieb die Patientenbelegung der Klinik mit einem Rückgang von nur 50% relativ hoch. „Dies ist im Vergleich zu anderen Rehabilitationskliniken ein relativ günstiger Belegungsverlauf“, sagt Benoît Emery, Direktor der Klinik. Die von den zuständigen Stellen definierten Hygiene- und Verhaltensmassnahmen zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter wurden ergriffen und in der Klinik eingehalten. Dank dieser Massnahmen konnte die Behandlungen, obwohl sie reduziert wurden, zum Wohle aller Patienten fortgesetzt werden.

Übernommen wurden die Massnahmen ab dem 11. März im 1. Niveau durch einem3-köpfigen Team, darunter der Direktor, der hygienebeauftragte Arzt und der Qualitätsmanager.

Effektive Massnahmen rasch ergreifen

Um rasch wirksame Massnahmen einführen zu können, wurde ein 2. Niveau in Form einer Task Force eingerichtet, die sich aus der Klinikleitung, der Leiterin Hotellerie sowie der Leiterin Personalabteilung zusammensetzt wurde. Diese Personen trafen sich zweimal wöchentlich, um die zu ergreifenden Massnahmen zu planen und einzusetzen.

Med Pract Peter Lermen,
Hygienebeauftragter Arzt

„Insgesamt haben die im Rahmen der Reaktionen auf die Pandemie umgesetzten Veränderungen auch Auswirkungen gezeigt, die möglicherweise beibehalten werden sollten, da sie positive Auswirkungen auch über die Pandemie-Situation hinaus zeigen könnten, wie z.B. einfachere und praxistauglichere Behandlungs-pfade oder effektiveren Personaleinsatz“, sagt rückblickend Med. Pract. Peter Lermen, Verantwortlicher Internistisch-onkologische und Muskuloskelettale Rehabilitation und hygienebeauftragter Arzt.

Im Rahmen der COVID19 Ausbreitung wurde von Seiten der Hygiene versucht, den Anforderungen von BAG, Swissnoso, Kantonsarztamt Wallis und Bern, bestmöglich zu entsprechen und den Klinikbetrieb so weit wie möglich aufrecht zu erhalten ohne das Risiko eines Ausbruchs in der Klinik einzugehen. Im Verlauf wurden Schutzkonzepte global für die Klinik wie auch für die einzelnen Teilbereiche, z.B. Logopädie, Coiffeur/Podologie, Schwimmbad etc., erstellt und wiederholt den aktuellen Vorgaben und der Verfügbarkeit von Schutzmaterialien angepasst. Es wurden z.B. neu zu den bereits vorhandenen Schutzbrillen, Visiere angeschafft und die Indikation zu deren Verwendung sowie die Handhabung detailliert dargestellt. Dank aller diesen Massnahmen wurden während der Pandemieperiode weder Patienten noch Mitarbeiter infiziert.

Eine Herausforderung für die Therapieplanung

Dieter Ernst, Leiter Therapien

Wie haben sich sonst die Therapien während dieser Zeit organisiert? Dieter Ernst, Leiter Therapie erklärt welche Massnahmen getroffen wurden: “ Neben Umstellung auf überwiegend Einzeltherapien, erfolgten in Rücksprache mit dem Hygieneverantwortlichen die Neuorganisation der Therapien um die soziale Distanz zu gewährleisten und Ansammlungen von Patienten zu Stosszeiten oder vor Therapieräumen zu vermeiden. Hierzu wurden neue Therapieräume definiert, Geräteabstände angepasst und einzelne Therapien vorübergehend komplett gestoppt, wie Lokomat, Vector, Hippotherapie oder noch Badtherapie“. Er ergänzt noch: “ Diese Veränderungen verlangten von allen Beteiligten Flexibilität, aber am Ende konnten die Patienten weiterhin von optimalen Behandlungen profitieren, was für uns das Hauptziel geblieben ist. Ich freue mich jedoch, dass wir jetzt ein fast normales therapeutisches Programm wieder anbieten können“.

Ungenutze Ressourcen für andere Projekten einsetzen

Benoît Emery, ein zufriedener
Direktor trotz der Pandämie

In den ersten Wochen führte natürlich der Rückgang der Patientenzahl zu einem Rückgang der Behandlungsaktivität. Dies hat jedoch nicht dazu geführt, dass die Ressourcen vollständig stillgelegt wurden. „Die Klinik nutzte die zur Verfügung stehende Zeit, um verschiedene administrative Aufgaben im Zusammenhang mit der Verbesserung der allgemeinen Patientenversorgung zu erledigen“, erklärt Benoît Emery. Einige Beispiele: Die Vorbereitung auf die anstehende ISO-Zertifizierung, die Anpassung und Etablierung einer neuen hauseinheitlichen Struktur für Reha-Rapporte und Kaderarztvisiten, die Vorbereitung der Reevaluation der ärztlichen Weiterbildung in der Neurologie und der Allgemeinen Inneren Medizin oder noch die Organisation des Binoms in der Pflege als Teil des Projektes „Lean Bettenstation“ bei der Medizin.

„Heute kann ich feststellen, dass jede Krisensituation ihren Anteil an positiven Elementen mit sich bringt, und dass wir dank des unermüdlichen Einsatzes des gesamten Klinikpersonals gestärkt aus dieser besonderen Situation hervorgegangen sind“, sagt Benoît Emery als Schlusswort.